Wann habt ihr zuletzt über etwas anderes als die Firma geredet? Wenn der Partner zum Kollegen wird

Kurz gesagt: Wer zusammen arbeitet, redet viel miteinander und erfährt trotzdem oft wenig voneinander. Gespräche über Aufgaben verdrängen nach und nach die Gespräche über das, was in euch vorgeht. Nähe kommt zurück, wenn ihr euch bewusst wieder als Paar begegnet: mit Fragen, die nichts mit der Firma zu tun haben, und mit Anerkennung, die den Menschen meint.

Es ist euer Jahrestag, ihr sitzt in einem schönen Restaurant, und der Wein ist gut. Ihr stoßt an, schaut euch an, und dann sagt einer von euch: „Was machen wir eigentlich mit der Stelle im Vertrieb?“

Vierzig Minuten später kommt der Nachtisch. Ihr habt über Bewerbungen gesprochen und darüber, ob die neue Software das Problem lösen würde. Es war ein richtig gutes Meeting. Gefeiert habt ihr allerdings nicht.

Viel reden und wenig voneinander wissen

Das Merkwürdige an Unternehmerpaaren ist: Ihr verbringt mehr Zeit miteinander als die meisten anderen Paare. Und trotzdem kann es passieren, dass ihr euch fremd werdet. Ihr wisst genau, wie es um den Auftrag steht. Wie es dem anderen eigentlich geht, wisst ihr oft nicht mehr.

Eine Frau aus einem Familienunternehmen sagte einmal in einem Interview, die größte Herausforderung sei, Raum für sich selbst zu schaffen, weil so vieles gemeinsam ist: Arbeit, Familie, das ganze Umfeld. Wo alles geteilt wird, fehlt irgendwann der Abstand, aus dem heraus man den anderen wieder sehen kann.

Dazu kommt etwas Heikles. Wer zusammenarbeitet, kritisiert sich auch gegenseitig, und das ist im Büro völlig in Ordnung. Nur hört das Herz den Unterschied zwischen „Das Angebot ist zu teuer“ und „Du machst das falsch“ manchmal nicht. Die Kritik an der Arbeit landet beim Menschen. Und der Mensch zieht sich ein Stück zurück.

Kollegin und Frau sind zwei verschiedene Rollen

Ihr seid füreinander Geschäftspartner und Liebespaar, manchmal im selben Satz. Das Problem entsteht dort, wo ihr nicht merkt, in welcher Rolle ihr gerade seid. Wenn er abends beim Kochen fragt „Hast du die Zahlen?“, ist er der Kollege. Wenn sie ihm dann erzählen will, wie sehr sie sich heute über die Kundin geärgert hat, braucht sie den Partner. Beide stehen in derselben Küche und sind in verschiedenen Filmen.

Paare, die gut zusammenarbeiten und trotzdem verliebt bleiben, machen die Rollen sichtbar. Sie wissen, wann sie Kollegen sind, und sie wissen, wann Feierabend für die Kollegen ist.

So holt ihr euch als Paar zurück

Fragt nach dem, was ihr nicht wisst. Was hat dich diese Woche gefreut, das mit der Firma nichts zu tun hat? Wovon träumst du gerade, ganz ohne Businessplan? Solche Fragen klingen am Anfang ungewohnt, fast wie beim ersten Date. Genau das ist der Punkt.

Lobt auch den Menschen hinter der Arbeit. „Das Angebot war super“ ist schön. „Ich mag, wie du heute mit dem schwierigen Kunden geredet hast, so ruhig und klar“ geht tiefer, weil es dich als Person meint.

Trennt Kritik und Zuneigung. Wenn ihr etwas an der Arbeit des anderen kritisieren müsst, tut es zur Bürozeit und am Schreibtisch. Und sagt am Abend etwas, das nichts mit Leistung zu tun hat.

Plant Zeit ohne Tagesordnung. Ein Spaziergang, bei dem ihr ausdrücklich über alles reden dürft, nur über die Firma nicht. Wenn es ruhig wird, ist das in Ordnung. Stille zu zweit ist auch eine Form von Nähe.

Die Firma ist euer gemeinsames Kind, ihr seid die Eltern

Ihr habt dieses Unternehmen zusammen aufgebaut, weil ihr euch vertraut. Das ist etwas Besonderes, und es verdient Schutz. Eine Firma braucht zwei Menschen, die sich mögen, gerade wenn es schwierig wird.

Vielleicht probiert ihr es beim nächsten Jahrestag einfach aus. Ihr stoßt an, und der erste Satz ist eine Frage an den anderen, die mit „Wie geht es dir eigentlich …“ beginnt. Die Stelle im Vertrieb läuft euch bis Montag nicht weg.

PS: Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Mein Partner und ich waren Kollegen und Freunde, bevor wir ein Paar wurden, und wir haben in derselben Firma gearbeitet. Eine eigene Firma hatten wir zwar keine, wir waren beide angestellt, er als Programmierer und ich im Controlling. Weil unsere Themenbereiche so verschieden waren, gab es schon eine gewisse Grenze. Trotzdem war die Firma oft unser Gesprächsthema, sobald es um Kollegen oder Chefs ging. Irgendwann habe ich einfach gesagt: „Kollege X (nennen wir ihn Detlef) möchte ich nicht auf meinem Sofa haben. Den sehe ich in der Firma schon oft genug, nach Hause einladen muss ich ihn wirklich nicht.“ So haben wir das gemanagt, und manchmal reicht genau so ein Satz.

Foto: Unsplash

Ihr funktioniert als Team und vermisst euch als Paar?

In einem Kennenlerngespräch schauen wir, wo eure Nähe verloren gegangen ist und wie ihr wieder zueinanderfindet.

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Michaela Schmidt

Michaela Schmidt

Die meisten nennen mich MiChi. Ich schreibe hier über Liebe, Beziehungen und all die Muster, die wir so gern wiederholen. Mit HumanDesign, Aura-Chakra-Readings und einer großen Portion Lebenserfahrung bringe ich Licht in das, was zwischen Menschen passiert, mit Herz, Klarheit und gern auch mit einem Augenzwinkern.

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